Ich fühle mich frei

Ich sitze im Auto auf dem Weg von Dresden nach Leipzig. Vor mir eine endlose graue Straße. Über mir der noch endlosere blaue Himmel. Einige Wolken ziehen dahin. Sie werden durchflutet von den Strahlen der Sonne, die sich gen Horizont neigt. Die Sonne steht inzwischen so tief, dass die Wolken in der Mitte dieses endlosen Himmels, direkt über der Fahrbahn in einem goldgelben Ton erstrahlen. Knapp unter den Wolken zieht ein Schwarm Vögel dahin. Auf der anderen Seite des Himmels bahnt sich ein Flugzeug seinen Weg hinein in die Wolkendecke. Ich sehe dabei zu, wie es in den Wolken verschwindet.

Es ist ein so wunderschöner Anblick, der mir mit Worten unmöglich zu beschreiben ist. Und dennoch versuche ich es. Ich möchte für immer festhalten, was ich in diesem Moment wahrnehme und fühle. Alles dort oben ist in Bewegung. Alles ist blau und weiß und golden und die Vögel und die Flugzeuge ziehen ihrer Wege. Mich durchströmt ein Gefühl von angenehmer Leichtigkeit.

Ich fahre hier unten den grauen Asphalt entlang, die Reifen meines Wagens rattern rhythmisch über jede einzelne der Betonfugen. Ich sitze in diesem Kasten aus Metall und Gummi und Glas und auf eine seltsame Weise fühle ich mich frei. Ich fühle mich frei. Und dann denke ich an dich und ich werde traurig. Ich denke darüber nach, wie es wohl wäre, wenn ich dir niemals begegnet wäre. Würde ich dann jetzt in genau diesem Moment dasselbe fühlen können, was ich jetzt gerade fühle? Ich weiß es nicht. Aber in Momenten wie diesen denke ich immer wieder an dich und werde unendlich traurig, weil du nicht mehr da bist. Tränen schießen mir in die Augen und ich denke, dass es zum Glück keiner sehen kann, weil ich in diesem rollenden Kasten aus Metall und Gummi und Glas sitze, der mich nach Hause bringen soll.

Ja, ich bin traurig. Ja, ich vermisse dich unglaublich. Und gleichzeitig fühle ich mich frei. Ich fühle mich frei und verbunden mit dem Himmel und mit der Erde, mit der Schönheit und mit dem Schmerz, mit allem was ist und mit der Veränderung, die darin stattfindet. Dort oben im Himmel, wie auch hier unten auf der Erde. Ich fühle mich mit allem verbunden und dafür werde ich dir ewig dankbar sein. Dafür werde ich dich immer lieben.

01. Jan 2016

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